Irland (Teil 1): Bettelarm aber steinreich

by matthias

Nichts macht kreativer als akuter Geldmangel. Zeigte man mir eindrucksvoll bei meinem letztjährigen Irlandaufenthalt. Faszinierend, was eine leere Staatskasse für Energien freisetzen kann. Natürlich kann der arme Ire nichts für das eigene Staatsdefizit – ist ja nicht seine Schuld, dass Kerrygold an der Edelmetallbörse nicht akzeptiert wird. So steht er nun allein im Regen, aber damit kennt er sich ja aus. Und findet prompt die passende Lösung für sein Problem. Also, genau zuhören meine lieben Akropolisbesitzer, manchmal ist die Antwort auf den drohenden Staatsbankrott denkbar einfach. Oder um es mit den Worten eines alten irischen Sprichwortes zu formulieren: „Ist kein Geld mehr in der Socke, starte die Touristen-Abzocke“.

Eigentlich sind ja die Kelten an allem Schuld. Wobei, haben die ja nicht ahnen können, dass sie mit ihrer Steinstaplerei ihre Nachfahren einmal vor dem sicheren Ruin retten würden. Egal wo die Jungs damals vor 2000 Jahren nämlich im Suff ein paar Steine übereinander gelegt haben – man kann sicher sein, dass heute ein findiger Ire davor mit seinem Tickethäuschen steht. Natürlich ist die Kostbarkeit auch noch meist von einer dicken Steinmauer umgeben, nicht dass da ein cleverer Tourist noch einen Gratis-Blick riskiert. Steinstapel zu errichten um damit den Blick auf Steinstapel zu verhindern – da muss man auch erst mal draufkommen.

Nun gut, könnte man sagen, ich kann mich ja einfach weigern horrende Eintrittspreise für ein paar Keltenklötze zu bezahlen. Und stattdessen mir einfach die wunderschöne Küstenlandschaft anschauen. Ach, wie naiv diese Touristen, niedlich. Ist natürlich auch nicht umsonst. Der Ire ist ja nicht blöd. Und verlangt auch für ein paar Klippen an der Küste Eintritt.

Wobei, die Klippen selbst kosten eigentlich nichts. Da hat man sich nämlich einen ganz cleveren Trick einfallen lassen. Sicher bei zahlreichen Gläsern Guinness. Das dürfte damals im Pub wohl ungefähr so gelaufen sein:

Patrick Fitzpatrick: „Mann…ist echt eine Schande, dass wir mit den Cliffs of Moher keine Touris abzocken können.“

Murphy McMurphy: „Wieso denn nicht?“

Patrick Fitzpatrick: „Kennst du nicht den Nebel da draußen? Mensch, wir können doch keinen Eintritt für ein paar Klippen verlangen, die man nicht mal sieht?“

Murphy McMurphy: „Mmmmhh…das müssen die doch nicht wissen. Wir machen den Eingang einfach in ein paar hundert Meter Entfernung!“

Patrick Fitzpatrick: „Ah…clever. Und weißte was, wir kombinieren das mit einem Parkplatz. Und lassen die dann fürs Parken bezahlen. Und zwar richtig kräftig!“

Murphy McMurphy: „Klasse. Wir bieten aber nur eine einzige Parkmöglichkeit in der Gegend und stellen drumherum Parkverbotsschilder auf. Damit die auch keine andere Wahl haben.“

Patrick Fitzpatrick: „Uh…das ist gut. Aber was, wenn die Leute dann sauer werden. Wenn die nichts von den Klippen sehen, dann hauen sie uns die teuren Tickets um die Ohren.“

Murphy McMurphy: „Keine Frage, wir brauchen noch irgend eine hippe Zusatzattraktion. Was ist denn gerade „in“ bei den Stadtmenschen? Da gibts doch diese Sache mit den komischen Brillen, oder?“

Patrick Fitzpatrick: „3D!“

Murphy McMurphy: „Genau. Wir bauen ein 3D-Kino. Aber wohin nur?“

Patrick Fitzpatrick: „Ach, warum nicht in den Berg rein. Sprengladung rein und fertig. Blöde Natur hier geht mir sowieso schon seit Jahren auf den Sack.“

Murphy McMurphy: „Klasse. Und innen zeigen wir dann einen Film von den Klippen. Bei Sonnenschein!“

Patrick Fitzpatrick: „Mensch super Idee. Aber da fehlt mir noch das pädagogische. Man sollte noch irgendeine Ausstellung machen. So wie Klippen entstehen und so. Weißte, damit die auch das Gefühl haben was zu lernen.“

Murphy McMurphy: „Wenn es sein muss. Aber nicht mit soviel Text, mehr so Bilder und so. Es reichen ein paar Tafeln. Wichtig ist das Platz für das Restaurant bleibt!“

Patrick Fitzpatrick: „Natürlich. Und…komm…sags schon…natürlich zu…“

Murphy McMurphy: „….horrenden Preisen!“

Patrick Fitzpatrick: „Natürlich. Einfach brilliant. Bleibt nur eine Sache noch, ich mein wer schaut sich den ganzen unnützen Kram da drin überhaupt an. Was wenn die alle draußen bleiben?“

Murphy McMurphy: „Bei dem Regen?“

Patrick Fitzpatrick: „Natürlich, ach klasse!“